make up - roomy
26.März – 24 April 2003

Mit der Ausstellung „ make up – roomy“ im Projektraum sensor.k. wird die Berliner Künstlerin Christiane Molan erstmals eine raumgreifende Malerei Installation präsentieren. Grundlage dieser Arbeit sind handelsübliche Körperpuder und kosmetische Make up Produkte, mit denen sie die Wandflächen überziehen und gestalten wird.

Ausgehend von ihren konzentrischen Farbflächenmalereien der vergangenen Jahre steht im Gegensatz zur früher leuchtenden Farbskala alltäglicher Haushaltshelfer hier die zurückhaltende und hautanaloge Farbigkeit kosmetischer Produkte im Vordergrund. Changierend zwischen „nordeuropäisch“ blassen Cremetönen und dem dunklen, sonnen gegerbten Braun von „Mallorca-Urlaubern“ wird der Raum einer umfassenden kosmetischen Behandlung unterzogen.

In ständig wiederkehrenden Rapporten von doppelt geblendeten Farbflächen mit scharfen Zentrum und unscharfer Peripherie generiert Christiane Molan einen raumgreifenden ästhetischen Verbesserungs- und Optimierungsakt an der sichtbaren Oberfläche. Bei der Betrachtung dieser mit Puder überarbeiteten Raumhaut stellt sich zunächst eine poetische Intimität ein, die in der penetranten Duplizierung ein und desselben Motivs aber eine befremdliche Äußerlichkeit erfährt und von der Haut auf den Raum verweist. So als gelte es die tägliche kosmetische Praxis zu reproduzieren, ist Farbfläche für Farbfläche auf die Wand gebracht und ein räumliches allover entstanden. Das modische Vexierspiel zwischen Schein und Sein erfährt somit seine unmittelbare räumliche Adaption.

Von der konkreten Kunst kommend arbeitet Christiane Molan bereits seit geraumer Zeit mit seriellen Farbflächen, immer wiederkehrenden Rapporten und Farclustern, in denen sie die üblichen Formate der Malerei verlässt und sich installativ den Ausstellungsraum aneignet.

Bereits in der jüngsten Ausstellung „ placebo“ im Haus am Lützowplatz hat sie dezidiert das raumfüllende Format gesucht und mit farblichen Täuschungsmanövern und Wahrnehmungsirritationen gearbeitet. Diese Verzerrungen unserer gewohnten Sicht auf Malerei spielen mit den Grenzverwischungen zwischen Form und Farbe, zwischen präzise gefasster Fläche und verschwimmenden Übergängen.

Während sich die Malerin in früheren Arbeiten zahlreicher Zusatzmaterialien, wie Wachs oder Q-Tipps bediente, vertraut sie in „make up roomy“ allein auf die wohlbekannten Farbtöne der kosmetischen Industrie und deren verheißungsvolle Slogans. Das analytische Experiment Malerei wird so kontinuierlich fortgesetzt und in der Aneignung von Aspekten der Alltagsästhetik zu einer implizierten Kritik am Körperterror der Gegenwart.

Ralf Hartmann

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